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Transsexualität

Ameera – das Interview, dass eher zur Geschichte wurde

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005021a3610987804_160Thema: Wie Männer zu Frauen gemacht werden, alles nur Sensationsgier? (am 30.06.14 in Kleve)
Kurz nach der letzten Folge einer Dokusoap lernte ich eine Darstellerin persönlich kennen.

Meine Fragen waren vorbereitet und ich fuhr gut gelaunt aber todmüde Richtung Plattem Land. Ich hatte die Nacht davor nur 20 Minuten geschlafen und fühlte mich immer noch sehr schlapp, doch freute ich mich auf mein erstes Live-Interview. Ich hatte nun ja bereits einige per Facebook oder E-Mail erstellt und es machte mir sehr viel Spaß.

“Professionell” hatte ich auch mein Diktiergerät eingepackt, so dass ich später auch alles so wiedergeben konnte, wie es auch gesagt wurde. Auf eine Einverständniserklärung des Intervieweten wollte ich aber verzichten, da mich dies auch immer ein wenig gestört hatte, wenn ich jemanden Rede und Antwort stand.

Von der Autobahn runter, deutete nichts auf das Unvorstellbare hin, was oder wem ich gleich begegnen sollte. Dort, eine riesige Plastikerdbeere, ein erstes Indiz auf sonderbare Auswüchse der Natur, die es hier zu finden gab. Ich mochte es nachwievor nicht glauben.

Wir hatten uns für 15:00 Uhr verabredet. Fünfzehn Minuten vorher bekam ich eine Nachricht, dass sie es nicht schaffen würde. Ich parkte meinen Wagen in der Nähe der Innenstadt und schaute mich um. Ein netter kleiner Ort, dieses Kleve in der Nähe der niederländischen Grenze. Ahnten die freundlichen Oranjes, was sich in ihrer direkten Nachbarschaft abzuspielen schien.

 

2014-06-29-18.59.49_600Die Stadt schien recht wohlhabend zu sein, einige chicke Cafés und Restaurants. In einem beschloss ich auf sie zu warten. Auf sie, die ich bisher nur aus dem Fernsehen und Facebook kannte. Ich hatte nur einige Folgen der neuen Dokusoap gesehen und wollte völlig vorurteilsfrei an die Thematik herangehen. Ich ging noch einmal meine Fragen durch und beobachtete die spießigen Eingeborenen am Nachbartisch, die sich über ihre nächste Kreuzfahrt unterhielten und einer möglichen Halbfinalbegegnung zwischen Deutschland und den Niederlanden. Ich klärte sie auf:” Deutschland kann erst im Endspiel auf die Niederlande treffen” “Das glaube ich nicht”, musste ich mir anhören. Ich verdrehte die Augen und wandte mich wieder meinem Latte Macchiato zu. Komische Leute hier, die glaubten sicherlich auch, dass man Geschlechter umwandeln konnte.

Ameera kam, klein war sie, naja eigentlich eher eine durchschnittliche Größe für eine Frau. Und sie schien nicht sooo gut gelaunt zu sein. Wir begrüßten uns und nahmen Platz. Ich musterte sie, sie war perfekt geschminkt, was sicherlich auch durch ihren Beruf geschuldet war und sie hatte Style.
Ich stellte immer bei Begegnungen mit Frauen fest, dass Es manche haben und manche haben es nicht. Die Mehrheit wohl eher nicht. Manche lernen es leider nie, viele versuchen etwas nachzuahmen, was sie in irgendwelchen Zeitschriften oder Schaufenster gesehen haben und manche haben es eben, das Gespür für Mode und vor allem das, was einem steht.
Ich hoffte, dass man das auch irgendwie über mich sagte. Das fand ich ein viel schöneres Kompliment als so etwas wie: Du bist aber schön. Das war für mich immer sehr realativ und ich mochte diese “Du bist-so-hübsch-Komplimente” nicht so sehr.

Wir unterhielten uns und manche Fragen wurden in den nächsten Minuten schon beantwortet, ohne das ich sie stellen musste. Hey wo ist mein Konzept geblieben. Schnell beschloss ich dieses über den Haufen zu werfen und mich auf meine Intuition zu verlassen. So wollte ich mir nur ein paar Stichworte machen, über wichtige Dinge, die sie sagte.

Schnell stellte ich aber fest, dass auch das nicht so einfach wurde. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fasten wir schnell Vertrauen zu einander. Wir vertrauten uns Dinge an, die man normalerweise sicherlich nicht in den ersten 10 Minuten eines Gespräches mit einem fremden Menschen teilen würde. Vielleicht eher nach Jahren guter Freundschaft. Aber es stand auch schnell fest, dass diese Dinge nie einen Weg in diesen Text finden würden.

Ihre Mutti kam, eine sehr auffällige Erscheinung und ich wusste nun, dass diese Familie auch schon vor dem Erscheinen der Sendereihe eine gewisse Bekanntheit in Kleve erreicht haben musste. Bunte Leblackdevil_160ggings, ein Sterne-Tattoo im Gesicht und ein Regenbogen-Lidschatten, der ihre positiv strahlenden Augen noch mehr strahlen lies.
Sie war auf dem Sprung, aber wir hatten vor, später noch zu ihr auf einen Kaffee vorbeischauen. Ameera hatte Hunger und wollte noch irgendwo eine Kleinigkeit essen und so wechselten wir die Location. Wir kamen vorbei an einigen luxuriösen Häusern und setzen uns in ein Restaurant direkt an einem Kanal. Sie bestellte sich ein gutes Stück Fleisch, eine Portion Pommes und einen schwarzen Tee. Ich verzichtete und entschied mich nur für eine Rhabarber Schorle.
“Sollen wir mal mit dem Interview anfangen” fragte sie mich nach der fünften Zigarette, die sie mittlerweile, seit unserem Treffen geraucht hatte. Sie sollte damit aufhören, dachte ich mir. Die Schachtel ergänzte sogar ihren Style und schien wie für sie gemacht zu sein und war mit einem Vanille Flavour versehen, doch auch hier galt was auf der Paket stand.

Ich schaute auf meine Fragen, die ich auf meinem Handy gespeichert hatte:

  • Ich habe ja durch Deine Sendung, wie hieß sie doch gleich 😉 aber eher durch Facebook schon eine Menge von Dir erfahren, aber sicherlich ist nicht jeder so Facebooksüchtig wie ich, daher würde ich gerne zuerst ein paar persönliche Dinge von Dir erfahren. Wie geht es Dir aktuell?
  • Durch die TV Sendung bist Du hier sicherlich recht bekannt geworden. Merkst Du das in Deinem Alltag?
  • Wie sieht es denn aus, mal ganz ehrlich, würdest Du denn noch mal an der Sendereihe mitmachen und gibt es etwas was Du anders machen würdest bzw. bereut hast?
  • Also wurden Deine Erwartungen erfüllt? Apropos Erwartungen, was waren die denn, warum hast Du überhaupt mitgemacht?
  • Wie geht es jetzt weiter mit Dir, hast Du irgendwelche neuen Projekte oder Pläne oder war es das nun mit Deiner medialen Karriere?
  • Gibt es etwas was Du Menschen, die einen ähnlichen Weg gehen wie Du, sagen möchtest und das vielleicht noch nicht gesagt wurde
  • Wie ich weiß, bist Du ja ein großer Disney-Fan, wenn Du aussuchen dürftest, wer würdest Du gerne sein: Tick, Trick oder Track?

Ich verwarf diese, ich wollte mich einfach mit dieser Frau unterhalten. Wollte sie ein wenig kennenlernen und verstehen, warum sie überhaupt an diesem Projekt teilgenommen hatte.

Ameera: Ich wollte aufklären. Vor allem für mich und mein Umfeld hier in Kleve. Es war ein offenes Geheimnis und viele reden über mich und sprachen mich auch vor der Sendung schon an. Ich wollte erreichen, dass ich nicht immer und immer wieder die selben Fragen beantworten muss”

Petra: Also hast Du es in erster Linie für Dich und Dein Leben gemacht?

Ameera: Ja und ich wollte mal ins Fernsehen 🙂
Petra: Und fragen Dich nun weniger Leute?

Ameera: Ich hatte ja eigentlich auch dafür meine Fanseite auf Facebook gemacht, aber leider bekomme ich die meisten Anfragen auf meinem privaten Profil. Es wäre schön, wenn das besser wird und die Menschen meine Privatsphäre akzeptieren würden.

Ich schaute auf die Uhr, 18:16 Uhr, eigentlich wollte ich da schon wieder in Oberhausen sein. Aber ich hatte ja einige Wochen dazu gebraucht, dass wir uns hier treffen konnten. Das Kaffee-Trinken bei ihrer Mutter hatten wir bereits schon absagen müssen, da wir immer noch im Restaurant saßen. Sie aß mittlerweile nämlich ihr zweites Stück Fleisch, zumindest teilweise, da sich in ihrem ersten Essen eine tote Fliege eingeschlichen hatte. Nicht sehr appetitlich, aber sie klärte diesen kleinen Vorfall sehr ruhig und kaute genüsslich an ihrem zweiten Filet.

Sie wirkte eh in vielen Dingen absolut ruhig und angekommen. Sicherlich hatte sie auch Probleme, typische Frauenprobleme halt wie z.B.: zu wenig Platz für zu viele Schuhe oder auch Beziehungsprobleme waren dabei. Halt alles wie im normalen Leben.

Und so nahm ich auch dieses Interview nicht als solches war, sondern als ein Gespräch zwischen zwei Frauen, die sich gerne mal kennenlernen wollten. Wir teilten viele Dinge und uns unterschieden manche Dinge, was uns aber verband, war das Wissen über das was wir schon immer waren: Frauen

Meine Abschlussfrage wollte ich aber trotzdem noch loswerden und so fragte ich sie dann doch noch: “Ach so, fast vergessen. Ich habe das Gerücht gehört, Du hattest mal einen Penis. Ist das richtig?”

“Ja und sogar zwei Hoden”

Unglaublich Sachen gibt es :*

 
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