Hormonmädchen

Transsexualität

Das Innere entscheidet

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Transidentität begreifbar machen

Thorsten Mell HG. – 95 Seiten, Aufmachung ähnlich einem Schulbuch

das-innere-entscheidet-klein_160Ein sehr kurzweiliges Buch mit verschiedenen Lebensgeschichten von Frauen, Männern und „*“ (in kleineren Kapiteln von ca. 4-10 Seiten) Der Leser erhält eine Menge Grundinformationen über verschiedene Trans*-Lebenswege. (Hinweis: Aus der Sicht der Herausgebers wird das Wort Transidentität für Transsexuell benutzt)

In erster Linie sehe ich es als ein Buch für „Nichtbetroffene“ und eventuelle Kinder an, um von der starren zweigeschlechtlichen Denkweise wegzukommen.

Auch nach zweimaligem Lesen konnte ich nicht erkennen, warum dieses Buch Transidentität als Synonym für Transsexualität benutzt. Vielmehr kamen verschiedene Menschen zu Wort, die sich mit dem ihnen zugeordneten Geschlecht nicht abfinden/identifizieren konnten. Aus diesem Grund hätte ich dem Verlag den dort gerne benutzten Begriff „trans“ nahegelegt.

Beispiele dafür:

  • “…Ich wollte, ich will Frau sein.“ (S.53)
  • „ab und an darf ich auch die schwache Frau sein. Man hält mir sogar die Tür auf oder hilft mir in den Mantel. Auch daran muss man sich erst gewöhnen. … und jeden Tag lerne ich was Neues“ (S.55)
  • „Einem Transmann reicht es, die Kleidung zu tauschen und nur noch „Männersachen“ zu tragen (Seite 33)

Ebenfalls unsinnig empfand ich das Bedienen verschiedener Klischees, da man ja meines Erachtens gerade davon weg möchte:

…, dass transsexuelle Männer, auch mit Autos etc. spielen müssen (Seite 35 Uli ff) oder
… transsexuelle Frauen mit Puppen anstatt mit Autos (s.47).

Trotzdem hat mir sehr gut gefallen, wie verschiedene Personen, die Ereignisse erlebt haben, so dass auch mal ein Einblick aus deren Sicht gewonnen werden konnte.

Die Erklärung des Begriffs „Transidentität“ (ab S.31 als Synonym für Transsexualität) hat mir zumindest in Teilen recht gut gefallen, auch wenn dort wieder verschiedene Dinge (Gründe) für diesen Weg vermischt wurden. An sich war es dann eher eine Erklärung sämtlicher „Trans*-Lebenswege
„Nicht unser Körper entscheidet, wer wir sind, sondern unser Gefühl (S32)“ Wenn man dort noch ergänzend hinzugefügt hätte: „was später durch das eigene Wissen bestätigt wird“ könnte ich sehr gut mit dieser Erklärung leben.

Zusammenfassend

Da in diesem Buch Transidentität als Synonym für Transsexualität genommen werden soll, was ja durchaus auch viele Menschen machen, wurde mir ein wenig zu oft vom „Fühlen“ und „sein wollen“ geschrieben.
Spätestens nach dem Coming Out sollte einem transsexuellen Menschen klar sein was er eben ist und dieses auch selbstbewusst nach außen tragen. Mir fehlen daher als transsexuelle Frau vor allem die körperlichen Angleichungswege, die oftmals nur im Nebensatz erwähnt wurden.

Nichtsdestotrotz bietet dieses Buch einen guten ersten Einblick in die komplette Thematik. Wer allerdings detaillierte Informationen oder Tipps erwartet, ist hier fehl am Platz. Auch wenn am Ende einige wichtige Selbsthilfegruppen und auch Webseiten genannt werden, so fehlen auch hier Wichtige (z.B. atme oder Hormonmädchen).

Daher bedingt empfehlenswert (und HIER kann man es bestellen)

 
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