Hormonmädchen

Transsexualität

Entschuldigung

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fbcid373982045-56485871-hqIch möchte mich heute entschuldigen, für meine unausgesprochenen Gedanken, die ich immer wieder hatte. Ich habe dieselben Probleme, wie viele Menschen mit Transsexualität bzw. was die Betroffenen darunter verstehen. Wenn etwas nicht meinem Gedankengang entspricht, so verstehe ich meinen gegenüber oftmals nicht.

Dies spiegelt sich auf vielen Ebenen ab und ich vergesse oftmals, dass es eben nicht mein Leben ist, was ich von diesem Mensch, dessen Gedanken mir so außerirdisch erscheinen, erfahre. Egal ob es nun so profane Dinge sind wie ohne Schminke zu leben, ein IPhone für das beste Handy zu halten oder wichtigere Sachen wie das Desinteresse am allgemeinen Weltgeschehen oder der hiesigen Politik.

Ich habe meinem Mitmenschen nicht zu sagen: „ DU MUSST ABER …

Ich kann ihn teilweise von meiner Lebensweise überzeugen, die ich ja auch nur mache, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es die richtige für meine aktuelle Lebensphase ist. Das ist aber schon Alles. Denn auch diese hat sich in den letzten Jahrzehnten ja stark geändert. Ich wusste zwar immer, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte, aber was, das konnte ich nie genau beschreiben. Das sichere Wissen, dass ich eine Frau bin, die durch einen wahnwitzigen Zufall einen vermännlichten Körper erhielt, erschloss sich mir erst endgültig mit Anfang 40. Viele Irrwege lagen hinter mir und es gab sicherlich Phasen, in denen ich abgestritten hätte eine Frau gewesen zu sein. Ich bezeichnete mich als Transvestit,  Transgender und zum Schluss als Transsexuelle. Immer in dem festen Glauben, ja das bin ich.

Meist hielt dieser Glauben nur einige Monate oder ich wurde nicht wirklich glücklicher und das zeigte mir, dass es nicht MEIN Weg war, sondern der Versuch etwas zu leben, was ich nicht bin. Erst heute spüre ich dieses Gefühl nicht mehr. Es fühlt sich vieles richtig an und wenn ich in den Spiegel oder an mir herunter schaue, sehe ich das Innere endlich auch außen. Klar gibt es nachwievor Dinge unter denen ich leide, aber die für mich wichtigsten Veränderungen wurden vorgenommen.

Der Grund meines Weges, war dass ich eines Morgens meine nichtvorhandene Vulva spüren konnte, ich wusste was wo hingehörte, aber nicht da war. Wenn ich die Augen schloß, sah ich mich als Frau, wie ich aussehen würde, wenn ich nicht XY geboren wäre. Wenn ich meine Kindheit in Erinnerung rief, sah ich ein blondes kleines zierliches Mädchen, was diese durchlebt. Als ich meine operativen Angleichungsmaßnahmen durchgeführt hatte, verschwand der Penis aus meinen Erinnerungen, ja teilweise vergaß ich, dass ich transsexuell geboren wurde.
Als ich losgegangen bin, war mein Ziel die Normalität, die spießige hetero-Normalität und mein gesellschaftliches Normbild ist dies wohl immer noch. Durch meine „Arbeit“ auf Facebook wurde ich immer wieder daran erinnert, dass dieses Bild vieler anderer Menschen aus der Trans*-Welt ist.

Nun komme ich zu dem Grund meiner Entschuldigung, eine Sache des Nichtverstehens und eine Angst, die darin begründet wird, dass mein Bild der zu erreichenden Normalität zerstört wird. Und das ist es wohl auch, warum mich das Ganze immer wieder mal traurig werden lässt. Ich las immer häufiger von Frauen, die ihren Penis behalten wollte. Ich laß etwas von Identitätsproblemen, von nicht erlaubten Weichsein oder anderen Klischeebildern. All das hatte ich nicht, ich wollte den Körper aus den Biologiebüchern. Am liebsten alles, aber da das nicht ging, nahm ich halt, dass was heutzutage möglich war. Warum wollte eine Frau ihren Penis behalten. Ich hasste ihn früher nicht, aber ich wusste irgendwann, dass dort eben etwas Anderes hingehörte, genau wie ich eine Brust haben wollte, ein weicheres Gesicht und Haut und so weiter.

Anfangs versuchte ich diesen Menschen zu sagen, dass man doch eine Vulva braucht, um als Frau zu leben. Nicht das diese etwas an der Fremdwahrnehmung ändern würde, da man ja nicht nackt rumläuft, zumindest eher selten 😉 aber für die Eigenwahrnehmung war das doch wichtig. „Nein“ hörte ich dann oft und ich wunderte mich, Gedanken schoßen mir durch den Kopf:“Sind das jetzt dann nicht doch Männer?, die gerne Frauen sein möchten?“

Ich fing an mich mit den verschiedensten Wegen aus der Trans*-Welt zu befassen. Las viel über Transident, Transgender und transsexuell und kam letztendlich zu dem Schluss, es gibt viele empfundene Normalitäten und ich stellte fest, dass die meinige zu mindestens in vielen Foren eher untervertreten war.

Ich stellte auch fest, dass ich mich durch diese Lebensweisen „Frau mit Penis“ in meiner Welt bedroht fühlte, ich empfand es als nicht passend mit ihnen in einen Topf geworfen zu werden. Gerade Fragen von heterosexuellen Männer nach dem Geschlechtsteil, führte ich darauf zurück, dass es immer mal wieder Frauen mit Penis in die Medien schaffte, als Frauen, die die Normalität verkörperten, so wie ich sie empfand. Ich sah sie ebenfalls als Frau, aber sie schienen mir das erreichen meiner Normalität eher zu erschweren. Und ich fing an mich für meine Gedanken zu schämen, ich hasste meine Intoleranz diesen Menschen gegenüber.

Aus diesem Grund ist dieser Text entstanden. Ja ich möchte mich bei all den homosexuellen Menschen, allen Frauen mit Penis entschuldigen, dafür, dass ich euch dafür verantwortlich gemacht habe, dass ich meine gewünschte Normalität nicht erreichte. Es tut mir leid, auch wenn ihr nie ohne diesen Text von meinen Gedanken erfahren hättet.

Mir ist klar, dass jeder Mensch das Recht hat, so zu leben wie er es möchte. Ich mache keinen Dritten für mein Leben verantwortlich, wenn es dort mal wieder nicht so läuft wie ich es mir wünsche, aber mein aktuell größter Wunsch ist es, Unterschiede sichtbar zu machen. Ich werde nie jemanden seine Geschlechtlichkeit absprechen, aber ich glaube, dass ich eine Minderheit in einer Minderheit bin. Viele andere sind gerne Teil dieser LSB…-Welt, dieses Trans*-Schirms, ich bin es nicht, meine erwünschte Normalität sieht anders aus.

 
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3 thoughts on “Entschuldigung

  • Kaya Küppers sagt:

    Starker Text, Hut ab. Zeigt Größe, leider selten öffentlich zu finden!

     
  • Phoebe sagt:

    Ich bin mir durchaus bewußt, dass viele Betroffene arge Probleme damit haben, wenn eine Frau sagt sie möchte ihren Penis behalten. Es paßt einfach nicht ins Weltbild und man wird sofort zur Zielscheibe für Zorn und Anfeindungen.
    So oft wie ich das erlebt habe, fühle ich mich eher wie eine Minderheit. Und es ist sehr verletztend, wenn man von anderen abgelehnt wird, nur weil man in einem Punkt nicht der gleichen Meinung ist bzw. unterschiedliche Gefühle hat.

    Außerdem ist es mit dieser „körperlichen Zweideutigkeit“ ungleich schwerer eine Normalität und ein positives Selbstbild zu finden. Ich habe mich lange mit meinen ambivalenten Gefühlen im Bezug auf meine Geschlechtsteile beschäftigen müssen, bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass ich keine GaOP brauche. Ich kann mit dieser Ambivalenz leben, weil ich keine übermässigen negativen Gefühle verspüre. Das heißt aber nicht, dass ich es toll finde mich im Intimbereich von anderen Frauen zu unterscheiden, ich habe nur akzeptiert das ich so bin. Und wenn das jemand nicht verstehen oder akzeptieren kann, oder mich deswegen ablehnt, dann tut es mir leid. Ich werde mich bestimmt nicht operieren lassen, nur um den Vorstellungen anderer eher zu entsprechen, egal ob es sich dabei nun um Trans- oder Cis-Menschen handelt.

     
  • Jeannie sagt:

    Hallo, da ich in Bolivien lebe und jetzt erst einen Weg gefunden habe Frau zu leben, bin ich ohne Kontakte zu anderen Trans welcher Form auch immer, bin ich frei meinen Weg zu gehen. Ich lass mir von keiner Trans sagen was richtig oder falsch ist. Genauso wie von allen anderen.Ich lebe wie ich es will, wie ich mich gluecklich fuehle .Je freier und gluecklicher ich bin umso mehr Liebe erhalte ich.Ausserdem bin ich ja nicht nur Transsexuell. Bin auch ein sehr spiritueller Mensch.

     

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