Hormonmädchen

Transsexualität

Fe-Male Hinein in den richtigen Körper (Hannah Winkler)

image_pdfimage_print

femaleHannah Winkler Fe-Male Hinein in den richtigen Körper – 255 Seiten, Taschenbuch

Eines vorweg: Toll gemacht
Worüber handelt nun dieses Buch. Sicherlich ist es „wieder“ eine Autobiografie von einem transsexuellen Mensch, wie es schon viele vor dieser gab. Eine Geschichte von Hannah Winkler, auf ihren Weg vom jungen Mädchen zur jungen Frau. Wir erfahren viele Schicksalsschläge, die ihr widerfuhren und am Ende …, Nein, das möchte ich jetzt hier nicht verraten, da ich diese 255 Seiten jedem an Herz legen möchte. Und damit meine ich eben nicht nur diejenigen, die davon direkt oder indirekt betroffen sind, sondern auch Menschen, die gar nicht wissen, was denn nun so spannend an dieser Frau ist.

Sie achtet wundervoll auf ihre Sprache, auf ihre Worte und mir ist nichts aufgefallen, wo sie eben nicht genau das sagt, was wir sind: Frauen

Mir hat besonders gut der Abschied ihrer ersten Liebe gefallen, da mir die Worte des Jungen/Manns nur allzu sehr bekannt sind: „Ich kann das nicht …“. Das mag nun auch daran liegen, dass es bei mir am Frischesten ist. Aber so mag eben jeder transsexuelle Mensch etwas in diesem Buch finden, mit dem er sich am aktuellsten indentifizieren kann. Den nicht transsexuellen Menschen gibt es einen sehr guten Einblick über unsere Gefühlslage und schafft sicherlich das eine oder andere Vorurteil abzubauen. Dies gelingt Hannah vor allem durch ihre Authentizität, die sie in jedem ihrer Fernsehinterviews ausstrahlt.

Zitate

Hier meine Lieblingszitate nicht nur von Hannah:

„Natürlich ist alles auch ein hartes Stück Arbeit und nicht von heute auf morgen machbar. Es ist immer leicht negativ zu denken. Aber an die Situationen positiv heranzugehen, bedeutet immer ein bisschen mehr Arbeit.“

„Bist Du denn ein Junge?“
„Nein bin ich nicht. Ich bin ein transsexuelles Mädchen. Wenn es etwas Normales gibt auf dieser Welt, dann ist es die ungeheuere Vielzahl an Lebensformen. Transsexualität ist keine Entdeckung der Neuzeit. Transsexualismus gibt es, seit es Leben gibt. Selbst im Tierreich kommt so etwas vor. Manche Tiere sind sogar geschlechtsneutral und können zwischen den Gelschechtern variieren. Es gibt nicht nur den einen Mann und die eine Frau. Nicht nur Schwarz und Weiß. Was ist mit der Palette an farben dazwischen? Die kann mann doch nicht ignorieren. Nur weil viele Menschen zu engstirnig sind, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist. Abwechselungs- und facettenreich. Ich will mich nicht länger für das schämen, was ich bin. Denn ich bin genauso viel wert wie jeder von euch auch.“

Ihre großen maskulinen Hände, die sie mit French Nails versucht zu verweiblichen, fallen mir sofort auf, als sie nach einem Glas greift. Ihre Haare sind schulterlang und von der letzten Braunfärbung nicht ganz abgedeckt. Auch ihre gelblichen Zähne, die mich eher an einen männlichen Kaffeetrinker erinnern, machen sich beim Sprechen schnell bemerkbar. Dagmars Körper hat eine eindeutig männliche und große Statur. Auch ihre Bewegungen wirken ein wenig grob und nicht frauenhaft. Denoch spüre ich ihre weibliche Aura, auch wenn man sie äußerlich leider kaum wahrnehmen kann. Es ist irgendwie traurig, jemanden zu sehen, der durch und durch in seinem Körper gefangen ist. Wieder merke ich, was für ein enormes Glück ich gehabt habe, dass mir dieses traurige Schicksal erspart bleibt. Doch in ihren hellbraunen Augen sehe ich den Stolz einer starken Frau, der ich meinen Respekt zolle. Weil sie das Beste aus ihrem Schicksal macht und zu sich steht, obwohl es gerade in ihrer Haut erheblich schwieriger ist als für mich.

Als Frau mit vielen Besonderheiten ist es ehrlich gesagt ziemlich schwierig, einen passenden Deckel für seine Sondertopfform zu finden. Viele haben, wenn sie an Transsexuelle denken, das Bild im Kopf, dass wir gestört und pervers seien, weil wir uns nicht mit unseren gegebenen Genitalien abfinden können. Letzendlich sind wir in den Augen dieser Menschen Männer in Frauenklamotten. Ein No-Go für 99% aller Männer.

Hannah1hannah2Hannah3
(c) Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH

Zusammenfassend

Das Buch gehört zweifelsfrei zu den besseren Büchern, die ich bisher gelesen habe und eigenentlich wollte ich auch die Höchstpunktzahl vergeben. Auch ihre Auftritte im Fernsehen empfand ich als absolut authentisch und äußerst sympathisch. Allerdings und jetzt kommt das kleine „aber“ gefielen mir ihre Abgrenzungsversuche in letzter Zeit durch die Aussage, dass sie NICHT transsexuell sei, eher nicht so gut.

Ich konnte Anfangs mit dem Begriff Harry-Benjamin-Syndroms nichts anfangen und letzendlich kommt es ja auch gar nicht im Buch vor, daher bin ich selber nicht zu hunderprozent sicher, ob sie sich darüber im Klaren ist, was sie durch die ablehnende Haltung des Begriffs Transsexualität nun bewirkt.

Auf ihrer Website erklärt sie kurz, warum sie den Begriff benutzt, aber ich mag halt diese abgrenzende Einstellung und Begriffe wie „Wahre Transsexualität“ nicht, da

und das Buch könnt ihr HIER bestellen

 
Teilen auf ...
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

3 thoughts on “Fe-Male Hinein in den richtigen Körper (Hannah Winkler)

  • Anonymous sagt:

    Schon mit dem Titel ihres Buches vermittelt Hannah uns Klarheit, Selbstbewusstsein und Handlungsbereitschaft. Sie geht ihren Weg ohne wenn und aber, und am Ende steht eine auch äußerlich perfekte und faszinierende Frau. Ich wünsche ihrem Buch eine weite Verbreitung.
    Immerhin lag es in einer großen Buchhandlung in Kiel in vielen Exemplaren an gut sichtbarer Stelle und wurde auch angenommen. So trägt Hannah in hoffnungsvoller Weise dazu bei, das Thema Transsexualität in der Gesellschaft stärker bewusst zu machen.
    Danke aber auch Dir, Petra, dass Du Dich so engagierst.

    LG Feli

     
  • Vio sagt:

    Mehr durch Zufall bin ich auf das Buch und somit auch auf Hannahs Lebensweg aufmerksam geworden. Ihre Art zu schreiben, lässt die Leserin quasi alles live erleben und es kommt zumindest mir so vor, als sei ich dabei. Ich kann mich zu 100% mit Hannah identifizieren, denn auch mir geht es schon seit Kindheitstagen an so. Ich bin eine Frau, gefangen im Körper eines Mannes. Wenn auch eines sehr femininen Mannes, wenn ich meinen Körperbau, meine Behaarung und meinen spärlichen Bartwuchs so betrachte. Auch ich fühle mich absolut deplatziert in der Gesellschaft und wäre lieber Hannahs Weg gegangen. Leider bin ich in den 60ern geboren und als ich in die Pubertät kam, war dieses Thema absolut Tabu. Heute lebe und leide ich in der von mir erwarteten Rolle. Bin verheiratet und habe einen Sohn, der kurz vor der Pubertät steht und ich frage mich, wie es in ihm aussieht? Wenn ich könnte, ich würde die Uhr zurückdrehen und Hannahs Weg gehen. Ihr Buch hat mich nachdenklich gemacht und ich frage mich ernsthaft, ob ich leidend älter werden oder endlich LEBEN möchte. Ich hoffe das das Buch noch vielen Mut macht und freue mich schon drauf mehr von Hannah zu lesen :). Liebe Grüße Vio

     
  • Isi sagt:

    Diese Seite erläutert, worum es beim HBS geht:

    https://sites.google.com/site/transgenderismus/

    Leider, Petra, funktioniert dein Link nicht und dein Kommentar hört bei der Begründung auf:
    „Auf ihrer Website erklärt sie kurz, warum sie den Begriff benutzt, aber ich mag halt diese abgrenzende Einstellung und Begriffe wie „Wahre Transsexualität“ nicht, da…“
    Wobei ich diese Begründung gerne lesen würde.
    Allerdings kann ich sie mir vorstellen.
    Wo es eine „echte Transsexualität“ gibt, muss es logischerweise auch eine „unechte oder falsche Transsexualität“ geben.“
    Da die Wörter „unecht“ oder „falsch“ jedoch negativ konnotiert sind, nutzen alle Beteuerungen nichts, es solle die „Nicht-echte Transsexualität“ nicht herabgewürdigt werden – sie wird herabgesetzt, allein durch diesen Sprachgebrauch.
    Wie ist das zu beurteilen?
    Sind „echte Transsexuelle“ nicht doch die „besseren“ Transmenschen ggü den „Teilzeit-Transmenschen“?
    Oder anders gefragt:
    Wieso bestehen „echte Transsexuelle“ so hartnäckig darauf, nicht als „Teilzeittranssexuelle“ gesehen zu werden?
    Ist es wirklich ein Gefühl der Überlegenheit, des „Besser-Seins“?
    Ich glaube nicht.
    Ich denke, es ist eine Frage der Ernsthaftigkeit, wie der Gestaltwechsel (um einmal von den unzulänglichen Begriffen wie Geschlechtsumwandlung, Verkeiden oder Ähnlichem fortzukommen) empfunden wird.
    Und zwar nicht von den Gestaltwechselnden selber (da will ich nicht die Ernsthaftigkeit auch bei DWT, TV, Teilzeit-Transgendern, Dragqueens usw. nicht anzweifeln), sondern wie dies von der Außenwelt, von den Mitmenschen erlebt wird.
    Und da ist bei allem Willen zu Toleranz und Akzeptanz für „nicht-normale“ Lebenswege immer der bittere Beigeschmack, dass die Teilzeittransmenschen ja anders könnten, wenn sie nur wollten – es gelingt ihnen ja bekanntermaßen eine mehr oder weniger überwiegende Zeit durchaus, „normal“ zu sein.
    Das führt zu dem schwer widerlegbaren, meist unbewussten Gedankengang: Gut, Herr X oder Frau Y verkleidet sich gerne mal gegengeschlechtlich und läuft dann so herum und spielt diese Rolle, auch außerhalb des Karnevals, warum nicht, schadet ja niemandem.
    Suum cuique.
    Andere haben noch viel ausgefallenere Hobbys.
    Bestärkt wird dieser Gedankengang dadurch, dass die Teilzeittransmenschen, die ich bisher kennengelernt habe, es absolut als Vorteil sehen, zeitweise in der einen, dann wieder in der anderen Rolle auftreten zu können, und dass sie die Rolle je nach den Umständen annehmen oder ablegen; z.B. beruflich den Mann darstellen und beim Shoppen die Frau.
    Dieser Wechsel der Rolle wird von meinen Bekannte selber mit einem zwinkernden Auge und einer guten Portion Humor dargestellt – wie sehr sie sich innerlich verbiegen und zwingen müssen, kann ich nur ahnen.
    So wie sie sich darstellen, macht ihnen das Dasein in verschiedenen Rollen nicht nur nichts aus, sondern sie fühlen sich darin – mal Mann, mal Frau zu sein – sogar recht wohl.
    Nach außen erscheint diese Art von Teilzeittranssexualität jedenfalls als eine hippe Modeerscheinung wie das Pierden oder Tätowieren, was nach einiger Zeit auch wieder in der Versenkung verschwinden wird.
    Dumm dann für die Idioten, die sich ihren ganzen Körper durchlöchert haben oder komplett mit Tattoos bedeckt sind oder – in unserer Thematik – so weit gegangen sind, ihre gottgegebenen echten wertvollen Geschlechtsteile haben umoperieren lassen – und das nur einer bescheuerten Mode wegen.
    So die Außenwahrnehmung.
    Die Innenwahrnehmung ist eine ganz andere:
    Da war und ist eine echte Transsexuelle immer eine Frau und en echter Transsexueller immer ein Mann, egal, wie sie mehr oder weniger gezwungenermaßen nach außen aufgetreten sind.
    Im Gegensatz zu den Teilzeittranssexuellen fühlen sie sich in der gegengeschlechtlichen Rolle nie zu Hause, sondern wissen stets, dass sie nur eine Rolle schauspielern, die sie so gut wie möglich meistern müssen, ohne die Rolle wirklich zu kennen oder den Text oder wer noch in dem Schauspiel mitspielt oder wie es ausgeht.
    Für echte Transsexuelle ist das zeitweise erzwungene Leben in der falschern Geschlechterrolle ein mühsamer und kräftezehrender Akt, den sie nur begrenzte Zeit aushalten und nach dessen Erledigung sie eine Ruhephase mit sich alleine benötigen, um im wahrsten Sinne wieder zu sich selber zu kommen.
    Das dauerhafte Leben im richtigen Geschlecht wird als Befreiung empfunden und eine Operation an den Geschlechtsteilen ist eine als absolute Notwendigkeit empfundene tatsächlich ANGLEICHENDE Maßnahme, ohne die der weitere Lebensweg gar nicht mehr vorstellbar ist.
    Habe ich jetzt durch die Hintertür doch wieder die Kategorien „besser“ und „schlechter“ eingeführt?
    Nein, denn diese Begrifflichkeit kann hier nicht angewendet werden.
    Stellen wir uns eine Gruppe von Menschen vor, die einen netten Spieleabend miteinander verbringen, und es wird vorgeschlagen, „Blinde Kuh“ zu spielen.
    Wie es so ist, sind einige der Teilnehmer tatsächlich von Geburt aus blind.
    Ob diesen das Spiel Spaß macht oder ob sie aufgrund dessen sogar Vorteile beim Gewinnen haben,ist in diesem Zusammenhang ohne Belang.
    Wichtig ist, dass – egal wie groß der innere Leidensdruck der Nicht-von-Geburt-Blinden, ich könnte auch sagen: der „unechten Blinden“; eagl also, wie groß der innere Druck, immer wieder einmal „Blinde Kuh“ spielen zu müssen, ist, Tatsache bleibt, dass sie nach Beendigung des Spieles die Augenbinde abnehmen und wieder werden sehen können.
    Die „echten Blinden“ aber nicht.
    Nie.
    DAS ist der Unterschied.
    Und der lässt keinen Raum für Begriffe wie „besser“ oder „schlechter“.

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.