Hormonmädchen

Transsexualität

Kim Schicklang (Mitglied des Vorstands der ATME e.V.)

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Kim Schicklang (Mitglied des Vorstands der ATME e.V.) (am 16.09.2013 über Facebook)

Doch wer ist diese Frau, die durch ihre Beharrlichkeit und teilweise ausufernden Posts in allen Forekim_160n immer mal wieder auffällt. Es gab Zeiten, da empfand ich Kim Schicklang als Vorbote für Streitigkeiten, als Zeichen für Intoleranz innerhalb der „Transwelt“. Doch ich lernte sie zu verstehen und den Grund für ihren „Kampf“ zu erkennen. Mit diesem Interview wollte ich aber auch ein wenig die menschliche Seite von ihr zeigen. Und eines ist sicherlich klar und da darf ich sie bestimmt vorab zitieren:
„Häufig glauben Leute, es gäbe da irgendwelche Feindseligkeiten. Dies ist nicht so. Im Gegenteil.“

Petra Hallo Kim, als Erstes, Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich denke zwar, dass die Meisten, die mit Transsexualität in Berührung kommen, schon einmal von Dir gehört haben, aber es wäre nett, wenn Du Dich einmal selber kurz vorstellen würdest.

Kim: Bist Du Dir sicher, dass die meisten, die mit Transsexualität in Berührung kommen, schon von mir gehört haben? Was haben Sie denn gehört? (lach) Viel spannender als Klatsch und Tratsch wäre doch mal heraus zu bekommen, wer mal wirklich Texte von mir gelesen hat. Gut, ein paar wird es da schon geben… hmmm… wie dem auch sei… Interessant Idee mit dem Interview.
Was gibt es zu meiner Person zu sagen? Ich bin in Ulm geboren worden und das, was man wohl „Arbeiterkind“ nennt: Berufstätige Eltern, die arbeiten und das Kind spielt mit den Nachbarskindern. Da waren übrigens, falls ein Psychoanalytiker mitliest, sowohl Jungs als auch Mädchen darunter… also eine psychische Störung, die laut Vorstellung der Sexologie mit irgendwelchen stereotypen Rollenzwängen oder Spielzeugvorlieben zu tun haben soll, gab es bei mir nicht. Meine Eltern waren nicht so reich, dass ich viel Spielzeug besass. Das was ich hatte, erbte ich auch von meiner Verwandschaft und auch da waren ältere Cousins und Cousinen darunter. Also kann man sagen, dass meine Kindheit ziemlich normal verlief, bis auf den Umstand, dass ich täglich daran dachte, mein Körper sei falsch herum. Naja, transsexuelle Menschen kennen das ja, was erzähle ich…
Ab der Pubertät war dann klar: Irgendwas ist da anders bei mir und so suchte ich damals in der Schule die Nähe zu den „anderen Anderen“. Auch heute noch finde ich Aussenseiter viel interessanter und spannender, als diejenigen, die sich an irgendetwas anpassen wollen und so ihre Seele dem Mainstream verkaufen. Bei mir waren das damals die Punks und Waves. Eine Zeit lang hatte ich den Eindruck, da ganz gut aufgehoben zu sein. Leute, die ehrlich sind, sich Gedanken über die Gesellschaft und das Leben machen. Manches kam mir damals ziemlich weise vor: Wie eine Zusammenkunft von den wahren Weisen, die von der Gesellschaft ausgespuckt worden sind, weil sie sich nicht verbiegen wollen, aber genau deswegen tolle Persönlichkeiten sind.
Aber wie in jeder Szene: Irgendwann wird das Ausgespucktsein zum Trend. Spätestens mit den Nirvana war klar: Da kommen Menschen, denen es zu gut geht und für die dann die Sehnsucht war, sich mal so richtig ausgegrenzt zu fühlen, obwohl sie eigentlich gar nicht ausgegrenzt wurden. Da konnte ich nicht mehr mit. Eine positive Nüchternheit wich einer Sehnsucht nach Kaputtheit und ein Negativismus, die sich ja auch in anderen Bereichen der Gesellschaft zeigte in den 90er-Jahren: Sozialabbau wurde in und irgendwann dann auch Thesen, die transsexuelle Frauen zu „Männern, die sich wie Frauen fühlen“ machten. Es wurde oberflächlich. Und ich wäre unehrlich, wenn ich nicht sagen würde, das ich auf meine Weise damals auch eine gewisse Oberflächlichkeit besessen hatte: Da war einerseits der scheinbar tiefgründige Privatmensch, andererseits arbeitete ich damals beim Radio und versuchte der männlichen Rolle gerecht zu werden.
Erst im neuen Jahrtausend änderte sich das. Da hatten ein paar Menschen unabhängig voneinander, Menschen, die sich nicht kannten zeitgleich das Gefühl, dass der Ausstieg aus dem Hamsterrad ganz einfach ist. Man steigt aus. Mehr ist es nicht. Da gibt es ja einen tollen Soundtrack dazu von Bands wie Trend, den Genetiks aus Nürnberg oder anderen. Und die starke, positive Nüchternheit war wieder da.
Am Ende dieses Zeitabschnitts kam dann mein Coming Out, das eigentlich ja bereits mein zweites war. Nur diesmal hatte ich geschafft, mich von dem, was andere sagen, meinen oder denken, noch besser zu lösen… was zwar Freundschaften gekostet hat, aber mir selbst war klar: Ich hatte mich endlich gefunden und konnte mich als die Frau akzeptieren, die ich schon immer war.

Petra: Du sagst es war Dein zweites Coming Out, wann war denn Dein Erstes und woran ist dieses denn gescheitert?

Kim: Du stellst aber private Fragen *lach*… na gut. Mein erstes Coming Out war mit ca. 18. Da gab es ein paar Leute, die das wussten, was mit mir los ist und mit dann Mut machten. Das war wahrscheinlich der Fehler, da ich so das Gefühl hatte, dass das, was sich da zeigen sollte, nicht von mir alleine kommt, sondern von Aussen beeinflusst wird. Ich bin auch heute noch der Ansicht, dass ein Coming Out nur dann wirklich eines ist, wenn dabei äussere Faktoren keine Rolle mehr spielen. Damals war ich noch nicht bereit dazu.

Petra: Und wann war Dein Zweites?

Kim: Eigentlich recht spät, mit Anfang 30. Es ist ja nicht gerade so, dass ich in einem stereotypen Umfeld lebte. In meinem Freundeskreis war es üblich, dass Geschlecht nicht so die grosse Rolle spielte. Zumindest dachte ich das… als mir klar wurde, dass die Welt nicht geschlechtslos ist, und ein Mensch nicht dazu da ist, sich vor anderen zu verstecken, wurde mir genauso klar, dass das auch was mit der Verantwortung zu tun hat, die wir für die Welt haben, in der wir als Menschen leben.

Petra: Hast Du dann in den 12 Jahren, die dazwischen lagen versucht eine männliche Rolle zu erfüllen (vor allem körperlich) oder warst Du da eher geschlechtslos?

Kim: Beides. *lach* Wobei das mit den Rollen ja so eine Sache ist. Ich glaube nicht daran, dass es männliche und weibliche Rollen gibt, sondern nur Abhängigkeiten, die sich daraus ergeben, dass Menschen bestimmte Erwartungen an andere Menschen haben, die nicht unbedingt immer mit dem Mensch an sich zu tun haben. Klar gibt es stereotype Geschlechtsvorstellungen und so etwas, was dann manche „Geschlechtsrolle“ nennen. Ich würde die Grenzziehung da aber nicht als etwas Geschlechtliches ansehen, sondern nur, ob ein Mensch ehrlich zu sich selbst ist, oder nicht. Dass Menschen, die geschlechtlich von vorne herein nicht zu einer Normvorstellung passen, sich dann doch geschlechtlich emanzipieren müssen, führt dann aber trotzdem dazu sich mit seinem eigenen Geschlecht auseinander zu setzen. Aber an sich hat das sehr viel nur mit der Frage zu tun, wie viel Ehrlichkeit zu sich selbst man sich zugesteht und was man als wichtiger erachtet: Was andere sagen oder meinen, oder was man selbst über sich selbst wissen könnte, wenn man nur genau hinsieht.

Ich spreche deswegen auch lieber von einem transsexuellen Coming Out als von einer „Transition“. Ich wüsste nicht, was an einem Selbsteingeständnis eine Transition sein sollte. Wenn das Bewusstsein, dass ein Mensch über sich selbst erlangen kann, wenn er ehrlich zu sich ist, immer Transition genannt würde, dann würde es ja eine ganze Menge Menschen geben, die dann genauso transitionieren. Ich habe mein Coming Out aber nie als Transition erlebt. Als ich den Mut hatte mich selbst lieb zu haben, hat das zwar auch ein wenig gedauert – ein Coming Out braucht ja auch ein paar Momente – aber mir war immer klar, dass ich nicht etwas werde, sondern mir meiner selbst bewusst werde.
Deswegen habe ich auch mit der ein oder anderen Vorstellung über Transsexualität, die auf Äußerlichkeiten basiert so meine Probleme. Das meiste, was darüber verbreitet wird, hat – so denke ich – nur den Sinn für die Menschen, die noch glauben, dass sie irgendwelche Rollen erfüllen müssten.

Petra: Da bin ich ganz bei Dir. Aber wenn doch die innere Erkenntnis das Wichtigste ist und Äußerlichkeiten nebensächlich sein sollten, warum dann das Alles. Wenn einem doch klar ist, dass es Frauen mit Penisse gibt, warum diese dann umformen, warum nicht die Vielfalt leben?

Kim: Vielfalt ist ja nicht nur das, was da ist, sondern was entsteht. Würde man in Frage stellen, dass Menschen auch irgendeine Aufgabe auf diesem Planeten haben, müsste man sich bei allem, was Menschen tun, fragen, ob das nicht ein unzulässiger Eingriff in die vorhandene Vielfalt wäre. Ich möchte in so einer Welt nicht leben. In dieser Welt gäbe es keine Medizin und damit keine Hilfe für Menschen, die eine Krankheit haben, es gäbe keine Kultur und keine Moral. Es gibt da einen tollen Filmklassiker von H.G. Wells. Er heißt „The Time Machine“ und erzählt die Geschichte der Entzweiung der Menschheit in zwei Menschenrassen. Die eine lebt an der Oberfläche in einer paradiesischen Welt, in der zu handeln und Verantwortung füreinander überflüssig geworden zu sein scheint und die andere unter der Erde, die Morloks genannt werden. Das grausame ist, dass die Morloks sich ihre Paradiesbewohner halten, um sie hinterher zu verspeisen.
Was ich damit sagen will ist, dass Menschen nur dann füreinander Verantwortung übernehmen können, wenn es ihnen bewusst ist, was Verantwortung bedeutet. Es bedeutet, sich aktiv in das Geschehen dieser Welt einzubringen und das fängt eben damit an, sich nicht nur seiner Selbst bewusst zu werden, sondern darin auch den Grundmoment ehrlichen Handelns zu sehen.

Überträgt man das auf Transsexualität, bedeutet das, dass aus der Verantwortung sich seines Geschlechts bewusst zu werden, auch die Handlung folgt, aus diesem Bewusstsein etwas zu machen. Wenn man davon ausgeht, dass Geschlecht nichts ist, was Menschen zwischen den Beinen für Ausprägungen ein und desselben Organs haben, sondern vor allem eine Sache dessen ist, was sich zwischen den Ohren befindet, dann findet man geschlechtliche Vielfalt genau dort.
Selbst die Menschen, die Geschlecht an Genitalien, Chromosomen, Hormonen oder anderem festmachen wollen, werden letztlich das, was sie über Geschlecht zu wissen meinen, in ihrem Kopf haben.

Genau da fängt für mich übrigens Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt an: Wenn Menschen sich eingestehen können, dass Geschlecht etwas ist, das sie selbst im Kopf haben und wenn sie es schaffen, das, was jemand anders im Kopf hat, anzuerkennen. Transsexualität hat eine ganze Menge mit Akzeptanz zu tun. Es gibt leider Menschen, die dazu nicht in der Lage sind… es sind diejenigen, die glauben, dass ihre Vorstellung von Geschlecht allgemeingültig ist und man Geschlecht objektivieren könne. Ich würde sogar behaupten, dass es Menschen sind, die auch unabhängig von Geschlecht nicht in der Lage sind, ihre eigene Vorstellung über die Realität von der Realität zu unterscheiden. Da gibt es eine ganze Menge Menschen, denen es so geht.

Petra: Ich bin ja eher ein Mensch der auch mal ein kurze verständliche Aussage hört, auch wenn ich die Morloks ziemlich gruselig fand und du wahrscheinlich jetzt bei mir für eine traumreiche Nacht gesorgt hast. Daher noch einmal: Wird die GuOp/GaOp überbewertet?

Kim: Ich finde, dass man das so pauschal nicht beantworten kann. Das kommt ja immer auf jeden Menschen an, der für sich schon wissen wird, ob es für ihn überlebensnotwendig ist, oder nicht. Für mich war es überlebensnotwendig. Es war ein Teil davon, meinen Körper mit meinem Geschlecht in Einklang zu bringen.

Petra: Nun hattest Du mit 30 Dein Coming Out, wie ging es dann weiter bei Dir? Die „normalen“ Schritte: Psycho, Endo, VÄ/PÄ …?

Kim: Was sind denn die „normalen“ Schritte? Auch da glaube ich nicht, dass es so etwas gibt. Leider denken Leute immer, dass es so etwas bräuchte wie z.B. irgendwelche Standards, an die sich dann alle zu halten haben. Damit fängt der Missbrauch aber an. Und schon wären wir bei dem, wie das bei mir ablief: Erst habe ich gedacht, dass es klug wäre sich einen Experten auf dem Gebiet zu suchen, dann bin ich von diesem missbraucht worden und musste damit erst einmal zurechtkommen. Und mit neuer Unterstützung ging das dann nach und nach weiter – leider manchmal etwas schleppend, da ja medizinische Hilfe bei Transsexualität heute noch nichts mit ethischem Handeln zu tun hat. Eine VÄ oder PÄ habe ich nicht, da ich die Zwangsverfahren ablehne und mich vor Gericht nicht selbst verleugnen will. Wenn ein Gesetz Dir nur erlaubt, Du selbst zu sein, wenn mehrere Gutachten angefertigt werden, in denen drinsteht, Du hättest eine Identitätsstörung, wie das bei Transsexualität ja heute noch der Fall ist, dann schadet es dem eigenen Selbst, diesem Verfahren einzuwilligen. Letztlich geht es in diesem Gesetz ja darum, Geschlechterstereotypen zu erfüllen und nicht darum, dass beispielsweise eine Frau als Frau anerkannt wird. Was anerkannt wird, ist, dass es da einen Mann gibt, der als Frau leben will. Und das ist schon ein großer Unterschied. Obwohl es schön wäre, endlich auch mal einen Ausweis zu haben, der mein Geschlecht wiedergibt, so wenig ist mein Leben im Alltag von diesem Stück Papier abhängig. Ehrlich gesagt freut es mich sogar immer ein bisschen, wenn die Menschen, die dann doch mal den Ausweis sehen müssen, bemerken, dass ihre deutsche Gründlichkeit nicht verhindern konnte, dass es Frauen mit männlichen Papieren gibt. Meines Wissens nach bin ich da auch nicht alleine, und es gibt davon noch einige andere.

Petra: Deswegen schrieb ich es in „“. Hast Du Dich auf Grund dieser Ungerechtigkeiten schnell dazu entschlossen aktiv zu werden und wie bist Du das angegangen?

Kim: Wie so oft, wird das selbst Erlebte zum Ansporn, die Zustände zu verändern. Ich habe begonnen zu recherchieren, und mich zu fragen: Was läuft da falsch? Warum gibt es solche Gesetze? Wer oder was steckt dahinter? Und als ich merkte, dass das, auf was ich gestossen war, ein ungeheuerliches Menschenrechtsverbrechen ist – und ich finde nicht, dass dieses Wort übertrieben ist – da hier mit vollster Absicht geschlechtliche Normvarianten am normalen Leben gehindert werden sollen, begann ich Menschen anzuschreiben, von denen ich dachte, dass Ihnen wenigstens ein bisschen der Mund offen steht, wenn man Ihnen erzählt, was transsexuelle Menschen in Deutschland erleiden müssen. Ehrlich gesagt dachte ich damals nicht, wie viele Menschen ihren Mund schon ziemlich fest zugeklebt haben müssen – leider auch viele Betroffene. Ich bin froh, dass es ein paar wache Menschen gab, die selbst transsexuell sind, und mir hier eine große Hilfe waren. Als ich schon fast davor war, damit anzufangen zu denken, dass sich sowieso kein nicht-transsexueller Mensch für das Thema interessiert, meldete sich eine Frauenrechtlerin, Marion Böker, bei mir und lud mich zu mehreren Sitzungen des Instituts für Menschenrechte nach Berlin ein. Damals gab es ja viele, die meinten, Transsexualität sei kein Menschenrechtsthema – was sich mittlerweile etwas geändert hat. Ein Thema ist es, aber viel zu häufig spinnen nun auch die Leute ihre Fäden im Bereich Menschenrechte, die eigentlich für die Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Menschen mit- oder hauptverantwortlich sind. Deswegen konnten wir in den letzten 1-2 Jahren auch einen Rollback erleben und müssen Medienberichte und Veröffentlichungen ertragen, in denen Transsexualität wieder als Geschlechtsumwandlung verkauft wird.

Petra: Aber es gab doch meines Erachtens schon einen Verein, der sich für die Rechte von transsexuellen Menschen einsetzen soll. Die DGTI, die sogar doch auch staatlich unterstützt wird. Hast Du diese auch angesprochen und wie war deren Reaktion?

Kim: Ich möchte Vereine, die an sich gut Arbeit leisten, dafür nicht kritisieren. Die dgti ist eine gute Anlaufstelle für Menschen, die sich im bisherigen System zurecht finden wollen, was nicht gerade einfach ist. Wenn man sich in seiner Arbeit aber darauf konzentriert, Tipps für bestehende Abläufe zu geben – du hattest ja eben schon mal von „normalen Schritten“ gesprochen – dann wird man zwangsläufig damit leben müssen, dass sich diese Verfahren gerade dadurch verfestigen. Nebenbei wird also aus der Hilfe, die man anbietet, eine Bestätigung von Abläufen, die Menschenrechtsverletzungen sind. Das kann man der dgti und den Selbsthilfegruppen, die so handeln, wie sie handeln, nicht vorwerfen, dass das aus menschenrechtlicher Sicht eben völlig anders bewertet werden muss. Vereine wie die dgti und andere, die im Bereich Selbsthilfe tätig sind, können von ihrer Grundidee her nur kaum die bestehenden Abläufe verändern, ohne dass sie damit ihr eigenes Profil, nämlich Hilfe anzubieten, verlieren. Das ist für diese Gruppen ein Dilemma. Wenn man beispielsweise Kontakte zu Gutachtern hat und transsexuelle Menschen an diese vermittelt, kann man nicht gleichzeitig Berichte veröffentlichen, in den dieselben Leute dafür kritisiert werden, dass sie Handlungen begehen, die gegen Menschenrecht verstoßen.

Eine Menschenrechtsgruppe, wie ATME, die sich ja dann zusammengefunden hatte um Menschenrechtsverletzungen an transsexuellen Menschen aufzuzeigen, kann andererseits kaum riskieren, mit Medizinern über die nächsten faulen Kompromisse zu verhandeln, wenn es beispielsweise darum geht, irgendwelche Standards zu verändern.
Das sorgt bis heute bei manchen Menschen, die nicht zwischen Persönlichem und einer verantwortungsvollen Aufgabe, die ein Mensch übernommen hat, unterscheiden können, für Missverständnisse. Häufig glauben Leute, es gäbe da irgendwelche Feindseligkeiten. Dies ist nicht so. Im Gegenteil. Inhaltliche Auseinandersetzungen zu einem Thema zu führen, verbietet es, meiner Ansicht nach sogar, daraus persönliche Angelegenheiten zu machen.

Petra: Was wünscht Du dir von und für transsexuellen Menschen in Deutschland?

Kim: Das lässt sich einfach beantworten: Dass sie selbstbewusster werden und deutlicher ihre Rechte einfordern. Ich weiß, dass das sehr schwierig ist, wenn man das Gefühl hat, abhängig zu sein. Aber genau aus diesem Grund ist es erst einmal am wichtigsten, dass wir uns gegenseitig mit Respekt begegnen. Wenn wer die Welt zum Guten verändern kann, dann sind wir es. Was sollte denn sonst der Sinn eines transsexuellen Coming Outs sein?

Petra: Danke Kim, dass Du Dir die Zeit genommen hast und weiterhin viel Erfolg mit all Deinen Projekten.

 
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