Hormonmädchen

Transsexualität

Klischees bedienen

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Klischee & Transsexualität

Klischee Transsexualität HormonmädchenIch bin nun seit 3 Wochen etwas stärker erkältet und habe wieder meinen bronchialen Husten. Durch die Kommentare auf vielen Plattformen, bin ich allerdings nun etwas verunsichert, da Frau ja auch ne Menge falsch machen kann, damit sie auch eine „richtige“ Frau ist.

Wie hustet man denn nun als Frau richtig und auch beim Naseschnäufen tue ich mich noch etwas schwer. Hat jemand Tipps, ich möchte ja nichts falsch machen?
In den Anfängen habe ich auch oft darüber nachgedacht, worin sich Frauen und Männer überhaupt unterscheiden. Ich habe manchmal stundenlang darüber nachgedacht, woher ich denn letztendlich wusste, dass ich eine Frau bin.
Ich befragte mein Umfeld und erhielt teilweise abenteuerliche Aussagen über das was Mädchen/Frauen ausmacht:

  • Emotional
  • Diskutierend
  • Zickend
  • Weich
  • Zärtlich
  • Puppen spielend
  • Geschmeidig
  • Erhaben
  • Einfühlsam
  • Begehrenswert
  • Liebevoll
  • Lebensspendend
  • Emphatisch
  • Anspruchsvoll
  • Absatz tragend
  • Fluffig
  • Sinnlich
  • Anmutig
  • Verständnisvoll
  • Anschmiegsam
  • Kompliziert
  • Shoppend
  • kurvig
  • warm
  • Röcke tragend
  • rosa
  • Stressig

Vieles trifft auf mich zu, manches auch nicht und es gibt sicherlich auch Männer, auf die einiges aus der Liste zutrifft. Somit ist der einzige Beweis dafür, dass ich eine Frau bin, mein Wissen.

Mich stören daher mittlerweile diese ganzen Klischees, die gerade in den verschiedenen „Betroffenen-Foren“ immer wieder gepredigt werden und auch in vielen Büchern über transsexuelle Lebenswege kommen sie nicht zu kurz.
In der „CIS-Welt“ spielen diese Bilder überhaupt keine Rolle, es gibt keine Frau, die sich hinterfragt nur weil sie vielleicht früher lieber Fußball gespielt hat oder noch spielt. Es gibt keine Frau, die weniger Frau ist, weil sie zu 99 % nur Hosen trägt. „Frausein“ (was für ein Wort überhaupt) kann man nicht lernen, man ist Frau oder ist es eben nicht.

Ich habe sogar festgestellt, dass wenn man das erkannt und ebenfalls verinnerlicht hat, fällt dieses antrainierte Rollenverhalten wie von alleine weg. Man lebt sozusagen „klischeefrei“.

Es ist kein übertriebenes MakeUp erforderlich, keine Heels und auch kein besonderes Lauftraining (zumindesten meistens 😉 , siehe dazu auch folgende Seite). Sicherlich muss man manches lernen und viele Dinge die wundervoll Klischeebelastet sind, liebe ich, aber eben nicht weil sie mich zur Frau machen. Ich bin Frau und das strahle ich aus jeder Pore meines Körpers heraus. Männer müssen vieles lernen, wenn sie eine Frau sein möchten, Frauen eben nicht.

Also trennt euch von den Gedanken

  • Bewege ich mich weiblich genug?
  • Kleide ich mich weiblich genug?
  • Schminke ich mich weiblich genug?
  • Sitze ich weiblich?
  • Esse ich weiblich?

Also …

Lass das antrainierte weg und seid so wie ihr seid und alles ist gut.

Ich warte eigentlich nur noch darauf, wann es die ersten Kurse gibt für:

pupsen

 
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8 thoughts on “Klischees bedienen

  • Melanie Hiller sagt:

    ich bin einfach Frau weil ich’s eben bin………… Wie jede andere halt auch. Und wer sich in ein Verhaltensmuster drängen läßt macht in jedem Geschlecht was falsch

     
  • Diana W. sagt:

    Huch, dann bin ich ja gar keine „richtige“ Frau, nie gewesen… IN der KLischee-Liste finde ich mich so gar nicht wieder. Wer denkt sich bloß diese ganzen Klischees nur aus?
    Ichb habe da ehrlich gesagt, bislang nie drüber nachgedacht, welche Eigenschaften zum Etikett „Frau“ nun passen sollen. Oder eben nicht. Ich finde das selber auch total unwichtig, jede(r) ist so, wie er/sie nun einmal ist und niemand lässt sich einfach in eine Schublade packen.

    Aber ich muss ganz klar sagen: Hut ab für diese wundervolle Seite, die gründlich mit Halbwissen und Klischees aufräumt.
    Herzliche Grüße,
    Diana

     
  • Maya sagt:

    Klischeefreiheit gibt es nicht wirklich. Man tut immer Dinge, die anderen dabei helfen, unbewusst Informationen über uns zu sammeln und einiges davon auch was unser Geschlecht betrifft. Klar, man sollte sich nicht zwanghaft alles angewöhnen, was man so hört, aber zumindest sollte man sich bewusst machen, warum Frauen als Frauen wahrgenommen werden.

    Jetzt gibt es natürlich auch Möglichkeiten, androgyne Verhaltensweisen, Kleidungsstile, etc. zu nutzen um das alte Geschlecht zu verstecken, ohne das neue Geschlecht offensichtlich hervor zu heben (ich bin mir sicher, dass sich viele über diese Idee in ihrer Anfangszeit Gedanken gemacht haben, ob sie das nicht vielleicht auch versuchen sollten^^), aber das führt letztendlich nur dazu, dass man erstens genauer beobachtet wird und zweitens dann trotzdem dem Geburtsgeschlecht zugeordnet wird, weil noch viele Dinge auffallen, die recht eindeutig sind (spätestens körperliche Merkmale oder kleinste Bewegungen, denen man sich selbst nicht mal bewusst ist) und die man entsprechend nicht verhindern kann.

    Es ist daher durchaus empfehlenswert, zumindest einige Akzente zu setzen, die einem flüchtigen Blick stand halten und überzeugend genug sind, wenn man nur ungerne der Mittelpunkt der Fußgängerzonen ist.
    Ich bin jetzt auch in der Phase, in der ich körperlich nicht weiblich genug bin und ziehe noch einige Blicke auf mich. Zu meinem Erfreuen schaffe ich es schon einige Male, als Frau angesprochen zu werden, nur um dann 2 Sekunden später in den meisten Fällen trotzdem noch eine Entschuldigung zu bekommen oder mein Gegenüber dazu zu bringen, die Bezeichnungen nochmal in männlicher Form zu wiederholen. Das zeigt mir letztendlich, dass es nicht ausreicht, sich einfach wie eine Frau zu fühlen, man muss es dem anderen auch irgendwie zeigen, wenn man es nicht sagen will oder kann. Wer das aber mit Tarnfarbe im Gesicht, High Heels und Minirock gleichsetzt, der hat mich nicht verstanden^^
    Selbst bei Frauen ist so was sehr auffällig, aber auch Frauen mit unauffälligem Erscheinungsbild haben natürlich einige Akzente, anhand derer sie schnell und eindeutig erkannt werden können und das sind letztendlich die Dinge, bei denen es sich am meisten lohnt, sie zu erlernen.

     
  • petra sagt:

    Ich akzeptiere Deine Meinung, für mich aber der falsche Weg.
    Kein anderer Mensch außer mir weiß was ich bin und wenn ich nur durch die Meinung Anderer zu dem werde was ich bereits bin, habe ich nichts erreicht.

    Verabschiedet euch bitte von dem was man euch sagt und lebt was ihr seid und wisst, wundervolle Frauen und Männer.

     
    • Maya sagt:

      Letztendlich muss das natürlich jeder selbst entscheiden, wie man die Sachen auslegt.

      Ich für meinen Teil gebe mich jedenfalls nicht damit zufrieden, einfach nur meinen Namen und meine Geschlechtszugehörigkeit zu ändern, sondern ich will auch ohne dass ich mich ständig erklären muss als Frau erkannt werden und mich selbst auch im Spiegel betrachten können ohne mein Erscheinungsbild anzweifeln zu müssen (das tue ich derzeit leider noch immer viel zu oft).

      Das heißt nicht, dass ich krampfhaft versuche, möglichst viele Klischees zu bedienen, aber sehr wohl, dass ich andere Frauen beobachte und die Dinge zu übernehmen versuche, die sowohl auffällig genug sind, als auch meiner Vorstellung von dem entsprechen, was ich sein will.

      Eine kategorische Ablehnung von Klischees und entsprechenden Verhaltensweisen finde ich aus meiner Perspektive daher recht kontraproduktiv zumindest dann, wenn ich mich selbst verwirklichen will. Sie mir nicht anzutrainieren würde im Umkehrschluss nämlich bedeuten, dass ich hauptsächlich auf männliche Verhaltensweisen zurückgreifen müsste, einfach weil sie mir durch die jahrelange Anwendung ins Blut übergegangen sind. Es hat Monate gedauert, mir vieles davon abzugewöhnen und in manchen Situationen nutze ich sie immer noch, wenn ich nicht aufpasse. Das zeigt mir einfach, dass ich nicht darauf hoffen kann, dass sich irgendwann von alleine ein Verhaltensmuster einstellt, das ich akzeptieren kann.

       
      • petra sagt:

        „Das heißt nicht, dass ich krampfhaft versuche, möglichst viele Klischees zu bedienen“ Für mich heißt es das schon

        Ich mache nur Dinge, die mich stören und nicht Dinge, damit ich Anderen es einfacher mache, um mich einzuordnen. Ich habe mich zu lange untergeordnet, das reicht für den Rest meines Lebens.

        Wenn Du Dinge änderst die Dich stören, ist dies etwas Anderes.
        LG

         
        • Anonymous sagt:

          Da sind wir ja einer Meinung^^

          Ich finde lediglich den Begriff „klischeefrei“ sehr zweifelhaft bzw. irreführend. Er impliziert ja gerade, dass man keine Klischees bedienen will, was meiner Beobachtung nach aber praktisch unmöglich ist.
          Klischees entstehen ja nicht, weil jemand etwas übertrieben stark oder häufig tut, sondern weil ein Großteil der Beobachter ein Muster erkannt haben, die Indizien auf einen Sachverhalt liefern können und das sollte man nun mal auch bedenken bevor man damit beginnt, Klischees zu verteufeln.

           
  • Isi sagt:

    Ein extrem diffiziles Thema.
    Was Petra da als Klischees beschreibt, sind Verhaltensmuster, die Frauen (schon als Mädchen) antrainiert werden bzw. von denen sie lernen, dass sie mit ihnen gut durchs Leben kommen.
    Eine Konditionierung, wie sie auch bei Jungs und Männern geschieht, nur eben meist mit anderen Verhaltensweisen.
    Natürlich übernehmen nicht alle Frauen alle weiblichen Klischees im gleichen Maße, wie es auch bei Männern der Fall ist, und die beiden Gruppen haben eine große Schnittmenge, so dass Frauen auch männliche Klischees bedienen können und umgekehrt.
    In der Natur der Konditionierung liegt jedoch, dass sie nie gelöscht, sondern nur mühsam überlernt werden kann.
    Wenn ich z.B. eine falsche Fingerverwendung beim Schreibmaschineschreiben mir abtrainieren will, bedarf das einer immensen Übung, und es besteht immer die „Gefahr“, dass ich unter Stress auf die alte antrainierte Methode automatisch zurückgreife.
    Dieser Gesichtspunkt bringt die Betrachtung „Klischees bedienen ja oder nein?“ in ein neues Licht.
    Wenn ich das männliche Verhalten, welches nie meinem wahren Ich entsprach, ich mir jedoch aus verschiedensten Gründen antrainiert hatte, wieder ablegen möchte, muss ich es durch ein anderes ersetzen.
    Bei diesem Gegentraining auf abgeschaute Verhaltensweisen anderer Frauen zurückzugreifen, halte ich für völlig legitim.
    In diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel.
    Wenn die neuen weiblichen Klischees erst einmal die männliche Konditionierung überdeckt haben, wird sich von selber zeigen (so bin ich sicher), welche von ihnen meiner wahren Persönlichkeit entsprechen und somit beibehalten werden und welche als wesensfremd wieder abgelegt werden werden.
    Mein Fazit zum Thema Klischees:
    Nicht so dogmatisch sehen.
    Alls fließt.

     

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