Hormonmädchen

Transsexualität

Was würdest Du tun…?

#transsexuell Diskriminierung Angst Depression

Letztes Jahr (2015/16) hatte es mich auch erwischt. Ich bin sicherlich eher ein sehr emotionaler Mensch, aber so etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt. Mir ging es schlecht, um nicht zu sagen sehr schlecht. Nach der Trennung meines Freunds und der Aufgabe meiner Selbstständigkeit viel ich in ein Loch. Das waren die Tröpfchen, die mein Fass zum überlaufen brachten. Ich merkte es selber gar nicht so sehr, spürte aber wie meine Gedanken oftmals abschweiften, wie ich mich zerschmettert an einem Brückenpfeiler sah oder wie meine Freunde an meinem Grab Abschied von mir nahmen. Ich konnte mich auf mein Leben kaum noch konzentrieren und hatte zu nichts mehr Lust. Ich wünschte einfach, dass mein erbärmliches Leben möglichst schnell vorbei wäre. In dieser Zeit entstand nachfolgender Text:

Mal eine kurze Frage an Alle und vor allem die „nicht-transsexuellen-Menschen“ und vielleicht eine kleine Begründung, warum mir nicht immer die Sonne aus dem Arsch scheint:

Was würdet ihr tun …

  • wenn ihr für die meisten immer ein Freak bleibt
  • wenn ihr Angst vor Dates habt, da eure Stimme euch zeitgleich eure Identität raubt
  • wenn kein Mann sich vorstellen kann, mit „so etwas“ eine Beziehung zu haben
  • wenn selbst von Freunden dann kommt, das müsste man ja verstehen
  • wenn euch das Wenige, was euch Freude gemacht hat, auch nach und nach zerstört wird
  • wenn ihr selbst nach 6 Operationen, immer noch Schmerzen habt
  • wenn ihr trotz Freunde einsam seid
  • wenn ihr euch auf nichts mehr freuen könnt
  • wenn euch selbst die wenige Arbeit zu viel wird
  • wenn ihr Existenzängste habt
  • wenn ihr Angst vor Bewerbungen habt, da ihr auf Grund eurer Besonderheit, ausgegrenzt werdet
  • wenn euch Worte wie: „alles wird gut“ oder „das wird“ nicht mehr aufmuntern können
  • wenn das Letzte, bevor ihr einschlaft, heulen ist
  • wenn das Erste, wenn ihr aufwacht, heulen ist
  • wenn euch der Gedanke, dass es nicht mehr lange ist, gefällt

… was würdet ihr tun?

Wenn ich den Text nun nach über einem Jahr lese, kann ich immer noch fast alles nachvollziehen, nehme es aber anders war, da ich meine Depression ganz gut im Griff habe. Ich hatte eine Therapie gemacht, wobei ich auch echt Glück hatte, dass ich schnell einen Platz bekam. Diese wöchentlichen Sitzungen halfen mir sehr, mich und mein Leben zu reflektieren.

Eines ist aber wichtig für mich: Auch in dieser Zeit habe ich nie an meinen Weg gezweifelt und selbst wenn ich dies alles gewusst hätte, wäre ich heute genauso hier. Ja ich wünschte mir, dass sich mancher dieser Dinge in Luft auflösen würden, kann die Menschen aber nicht ändern. Das einzige was ich ändern konnte ist mein Leben bzw. meine Einstellung. Wie es scheint ist es mir gelungen.

Es geht mir gut

 

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