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Transsexualität

Wortwahl, wichtig?

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Warum ist es doch so wichtig? Der alltägliche Wahnsinn mit den richtigen Worten

starkWenn man sich wie ich seit Jahrzehnten mit der Thematik befasst lernt man auch immer mal etwas dazu. Man ändert teilweise die Meinung, da man manches vielleicht nicht wusste oder auch die Sichtweise erweitert.

Ich betreue meine Website, eine Facebookseite und leitete auch einige Gruppen mit. Zusätzlich begebe ich mich auch sehr häufig auf ähnliche Seiten in den unendlichen Wirrungen der „Trans*-Welt“. Viele Dinge die ich dort lese, kann ich nachvollziehen, manches nicht.
Was mir aber immer wieder bei Diskussionen gezeigt wird, das eine falsche Wortwahl oder Desinteresse sehr irritieren können und vor allem eurem späteren Leben schaden.

Viele transsexuelle „Frischlinge“ verstehen die Diskussion oftmals nicht, warum sich mancher darüber aufregt, wenn irgendwo steht:

– Als Mann geboren (bei einer Frau)
– Fühlte sich als Mann (bei einem Mann)

Und ein Außenstehender versteht diese Aufregung erst recht nicht. Ich sage euch mal einen Grund, warum es so immens wichtig ist, auch für Dich, die richtige Sprache zu benutzen.

Ich befinde mich im Moment auf Partnersuche, ok sagen wir auf der ich „Lass-mich-finden-Phase“ und JEDER heterosexuelle Mann reagiert auf das Wort „transsexuell“ mit der Frage: Warst Du mal ein Mann?

Lassen wir hier mal die Diskussion, ob man und wann man es überhaupt sagen muss außen vor.(ist ein anderes Thema)

Tja jetzt dürft ihr mal raten woran das liegen könnte. Aus diesem Grund benutze ich das Wort auch sehr spärlich, da es für mein Gegenüber nämlich sehr wohl ein Unterschied ist, ob ich mal ein Mann war, als Frau fühlte oder eben immer schon eine Frau war und „nur“ mit verschiedenen männlichen Körperteilen geboren wurde.

Das ist einer der Gründe warum ich gerne „Neulinge“ auf die richtige Wortwahl hinweise. Also achtet auf eure Sprache, achtet darauf, was sie bei eurem gegenüber erzeugen. Es ist sicherlich nicht jedes Wort von „Nichtbetroffenen“ transphob gewählt, und gerade wenn es aus Unwissenheit passiert, wird es ein Einfaches sein diesen Menschen die richtige Wortwahl zu erklären.

Und auch wenn ihr im Moment andere Dinge um die Ohren habt und auch wenn es Transgender gibt, die euch sagen, ihr müsst mit solchen Reaktionen leben, kann ich euch nur sagen, dass ihr früher oder später zur selben Einsicht kommen werdet. Macht euch sichtbar, daher

An alle transsexuelle Menschen da draußen: Ihr fühlt es nicht, ihr SEID ES
An alle transsexuelle Frauen da draußen: Ihr seid NICHT als Männer geboren
An alle Freunde und Familien: glaubt uns, wir wissen was wir sind und benutzt unsere Sprache

Und wenn ihr mal etwas lest, was ihr nicht versteht, vertraut nicht jedem Wort auf Wikipedia, da vieles eben dort von Leuten eingegeben wird, die es NICHT verstehen.

(Schau Dir auch den Artikel Presse an, dort findest Du mehr zu dieser Thematik)

 
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9 thoughts on “Wortwahl, wichtig?

  • Phoebe sagt:

    Wenn es jemand ganz genau wissen will, dann antworte ich: Bei meiner Geburt war ich noch keine Frau, jetzt bin ich aber eine.

    Das mag vielleicht nicht super optimal sein, aber ich habe weder die Zeit noch die Lust jedesmal eine umfassende Erklärung über die Grundlagen und Hintergründe der Transidentität abzugeben.

    Man muss sich auch immer ein bißchen auf das eigene Bauchgefühl verlassen, ob hinter einer Frage Neugier steht und das Interesse mehr zu erfahren oder Vorbehalte und Ablehnung.
    Aufgeschlosse Menschen verstehen schon sehr schnell, dass man sich nicht irgendetwas einbildet, oder so tut als wäre man, oder gar sich verkleidet. Die verstehen schon, dass die Persönlichkeit/ die Psyche ausschlaggebend ist, auch wenn die Biologie nicht dazu passt.

     
  • petra sagt:

    Sehe ich nicht so. So werden wir immer „keine richtigen Frauen“ sein und es ändert sich nichts in den Köpfen. Und keine Lust lasse ich nicht gelten, dafür ist es zu wichtig.

     
    • Phoebe sagt:

      Eigentlich ist nur ausschlaggebend, ob die Leute mich nach meiner Vergangenheit beurteilen oder nach der Gegenwart.
      Die meisten richten sich sowieso nach der Gegenwart und da gibt es keinen Zweifel daran das ich eine Frau bin.
      Ich habe auch noch nie negative Reaktionen erlebt, wenn ich über meine Vergangenheit erzählt habe.

       
  • Frau Vonundzu sagt:

    @Phoebe: Ich finde, es sollten alle an einem Strang ziehen und die Wortwahl ist bei diesem Thema wirklich extrem wichtig, um am Ende nicht als „umgebaute(r)“ Mann/Frau dazustehen und ein Leben 2. Klasse führen zu müssen. LG Frau Vonundzu

     
    • Maya sagt:

      Meiner Erfahrung nach führt das Nutzen der im Trans*-Bereich aufgebauten Sprache nicht zu weniger aggressiven Verhalten, sondern teilweise sogar zu mehr (zumindest im Internet). Grund dafür ist einfach, dass diese Sprache auf Außenstehende oft sehr konstruiert, überheblich und verblendet wirkt, besonders dann, wenn man sie nutzt um andere zu korrigieren oder Dinge zu erklären, nach denen sie nicht gefragt haben (nicht immer, aber locker in weit mehr als 90% der Fälle)

      Für mich ist die Sprache daher eher eine Sprache, die man unter Trans*-Personen nutzen kann, aber eben keine, die wirklich alltagstauglich ist, zumindest nicht in den aktuellen Generationen.
      Das heißt jetzt natürlich nicht, dass ich mit uralten Klischees um mich werfe, aber es sollte da meiner Meinung nach zumindest vorerst durchaus ein gewisser Spielraum möglich sein, der durchaus noch normale Gespräche zulässt, ohne meinem Gegenüber gleich indirekt vors Gesicht zu knallen, dass er mich gerade beleidigt hat.

       
      • petra sagt:

        Ich sehe es eher wie Frau vonundzu und finde die richtige Vortwahl extrem wichtig. Klar muss sie erklärt werden, aber ein „Ich wurde als Mann geboren“ oder ähnliche Erklärungsversuche gibt es bei mir nicht mehr und lehne diese auch ab.

        Letzendlich muss es aber jeder selber wissen und ich denke es ist ein Prozess, da am Anfang die Wichtigkeit nicht so präsent ist und andere Dinge viel wichtiger sind.
        LG Petra

         
  • Frau Vonundzu sagt:

    Totschlagargument oder Killerphrase
    Ohne Mindestmaß an Transphobie geht es nicht…

    Das Totschlagargument: „als Mann geboren“ / „als Junge geboren“ , scheint unangreifbar, eine Killerphrase die Gebetsmühlenartig wiederholt wird und niemals fehlen darf, in einer wie auch immer gearteten, Berichterstattung über Betroffene von Transsexualität. Ein tendenziell polemisch feindseliger Umgang mit Transsexualität, ist nach wie vor wohl, ein MUSS in deutschen Medien, Presserat weiter uneinsichtig.

    Beide Arten von Phrasen haben das gleiche kommunikative Ziel. Das „Totschlagargument“ ist eine bestimmte Form der Killerphrase, die einen argumentativen Anschein hat. Solche Phrasen sollen Widerspruch verhindern („totschlagen“). Sie können auch der Ablehnung oder der Herabsetzung der Gesprächspartner dienen, wie in diesem Fall. In der Demagogie unverzichtbar wie „Antisemitisch“ – dem klassischsten Todschlagsargument.

    Es ist eine perfide Sprachverdrehung:

    wenn man sagt z.B. :

    ist als Politiker geboren,
    ist als Sänger geboren,
    ist als Mann geboren,
    ist als Physiker geboren,

    Dann heiß dass so viel wie: Dieser Jemand, hat ein ganz außerordentliches Talent zu etwas bestimmten, ist z.B. ein begnadeter Sänger. Jemand ist als Mann geboren – heiß also so viel wie: Jemand hat ein ganz besonderes Talent zum Mann sein, ist besonders zum „Mann sein“ begnadet.

    Und jetzt kommt der schändliche Skandal:
    Trotz des „ganz besonderen Talentes zum Mann sein„, will „ER“ dann abstruser Weise Frau sein / werden.

    Hier weiterlesen:
    http://transworld-magazin.de/7294/das-universal-schlagwort-als-mann-geboren

     
  • Isi sagt:

    Auf die Aussage „Ja, ich war einmal ein Mann“ wird zwangsläufig die Frage kommen „Und seit wann fühlst du dich als Frau?“ oder weniger freundlich „Seit wann läufst du als Frau herum?“
    Worauf es nur zwei Antworten gibt:
    „Seit Tag XY.“ mit der zwangsläufigen Nachfrage „Und warum?“
    oder
    „Schon seit immer.“
    Was – nach einigem Nachdenken – wohl auch die häufigste Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ ist.
    Nur löst dies das Dilemma nicht.
    Wenn frau sich „schon immer“ als Frau gefühlt hat, dann war sie eindeutig nie ein Mann!
    Ein „Mann“ ist – wie auch immer der definiert werden mag – in jedem Fall nie jemand, die sich weiblich sieht und fühlt!
    Somit ist die Aussage „Ja, ich war einmal ein Mann“ sachlich schlichtweg falsch, und ja, da stimme ich Petra und anderen zu, deshalb sollte frau diese Aussage vermeiden.

     
  • Isi sagt:

    Wenn ich nach einem Monat noch etwas persönliche Erfahrung nachschieben darf:
    Ich war nicht nur nie ein „echter Juge“ (der draußen spielte, sich raufte und Fußball spielte und eklige Dinge mit nach Hause brachte), sondern ich war auch jahrelang nach Aussagen von Kameraden, Kollegen und sogar Lebenspartnerinnen kein „echter“ Mann.
    Und obwohl mir niemand definieren konnte, was einen „echten Mann“ ausmachte (außer der überaus intelligenten Antwort: Na, halt ganz anders als Du!), deckte sich diese Einschätzung völlig mit meiner Selbstsicht.
    Ach später, als ich mir einige „männliche“ Verhaltensweisen abgeschaut und antrainiert hatte, um leichter durchs Männerleben zu kommen, änderte das nichts an meiner Selbstsicht und dem Bewusstsein, dass das Leben als Mann nur eine Karnevalsrolle war, die ich zeitweise zu spielen hatte.
    Es ist also keinesfalls eine gestelzte „Trans-Sprache“ oder Wortklauberei, sondern die volle Wahrheit, wenn ich von mir selber sage:
    Ja, ich hatte bei meine Geburt männliche Geschlechtsorgane, aber die haben es nie geschafft, mich zm Mann zu machen.
    Und Nein, ich war nie ein Mann gewesen, sondern war schon immer eine Frau.

     

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